Kunstbrut

Die Kunstbrut bringt den Vorteil, dass viele Küken gleichzeitig schlüpfen und das zu einem bestimmten Zeitpunkt, während die Hennen weiter Eier legen. Auch ist einigen Rassen, wie z. B. dem Deutschen Lachshuhn, der Bruttrieb weggezüchtet worden. Doch mit der Kunstbrut kann die Natur nur imitiert werden und es können bei nicht akribischer Handhabung des Brutapparates und der Brutparameter leichte bis schwerwiegende Brutfehler auftauchen..

Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit bleiben die Küken stecken, verkleben oder sie werden schwammig und schwer. Letzteres gibt sich aber ohne bleibende Schäden nach einigen Tagen. Wenn es in den frühen Stadien zu feucht war, sind die Küken oft zu groß und weich, und das Eiklar ist nicht ganz aufgenommen worden. Das Küken hat die Schale durchstoßen, und sein Schnabel ragt in das Loch vor. Es kann sich aber nicht drehen, um weitere Einrisse in die Schale zu picken, weil das unverbrauchte Eiklar in das Loch ausgelaufen ist und sich wie Leim rund um das Loch kleistert.

Bei zu hohem Luftfeuchtigkeitsgehalt während der Einlage der Bruteier sind die Küken beim Schlupf groß und aufgedunsen, oftmals mit klebrigem Eiklar verschmiert. Auch hier bleiben viele Küken trotz Anpickens im Ei stecken und sterben schlussendlich.

Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit während des Schlupfes kann es eigentlich nicht geben. Man sollte aber mit der Erhöhung der Luftfeuchte warten, bis min. ¾ aller Eier angepickt sind. Eine hohe Luftfeuchtigkeit schlägt sich in der Luftblase des Eis als Wasser nieder und das Küken könnte so im Ei ertrinken. Auch für eine gute Luftumwälzung muss gesorgt werden. Ist die Luftfeuchte sehr hoch, sind die Küken oft weich und breit und sie ringen nach Luft. Dann herrscht Mangel an frischem Sauerstoff. Dagegen hilft ein kurzzeitiges Öffnen der Tür des Brüters oder die Luftrosetten sollten weiter geöffnet werden.

Zu niedrige Luftfeuchtigkeit führt zum Austrocknen der Eihaut und damit zum Steckenbleiben der Küken.

Bei zu geringem Luftfeuchtigkeitsgehalt während der Einlage der Bruteier, sind die Küken oftmals klein und schwach. Ein nicht unerheblicher Teil stirbt ab. Die Luftkammer dieser Eier ist immer zu groß.

Bei zu niedriger Feuchtigkeit während der Schlupfbrut beginnt der Schlupf zügig, die zu früh geschlüpften Küken entwickeln sich bestens. Die später schlüpfenden Küken jedoch haben große Schwierigkeiten. An vielen kleben noch Schalenreste, den meisten gelingt es nicht, sich aufgrund der zähen Eihaut, aus der Schale zu befreien oder die zähe Haut klebt sogar am Küken fest. Dieses Phänomen kann man oft sehen, wenn der Brüter während der Schlupfphase oft geöffnet wurde, um z. B. zu sehen, wie weit der Schlupf fortgeschritten ist.
Daher: während des Schlupfes den Brüter nur so oft, wie unbedingt nötig öffnen !!

Zu hohe Bruttemperaturen führen dazu, dass die ersten Küken sehr früh schlüpfen, oftmals sogar 48 Stunden vor dem erwarteten Termin. In der Regel sind diese Küken klein und schwach und haben keinen verheilten Nabel oder der Dottersack wurde nicht eingezogen. Die übrigen schlüpfen später. Viele schwache Küken kämpfen um ihr Leben. Missbildungen, wie z. B. verkrümmte Zehen, sind sehr häufig. Auch der Prozentsatz der spät in der Schale abgestorbenen Küken ist sehr groß.

Zu niedrige Bruttemperaturen führen dazu, dass die Küken zu spät schlüpfen. Ganz normale Küken schlüpfen noch bis zu zwei Tagen später. Die Gesamtrate des Schlufes ist nicht schlecht, aber oftmals sind die Küken groß und weich und ein bisschen zurückgeblieben. Manche weisen Missbildungen auf, wie z. B. verkrümmte Zehen. Wieder andere liegen tot in der Schale. Die spät schlüpfenden Küken sind mit Eiklar verklebt.

Das Brutei

Nur von ausgewogenen, vitaminreich gefütterten Elterntieren kann man gute Bruteier und lebensfrohe Küken erwarten. Man sollte nicht vergessen, dass das Brutei ein Lebewesen ist und es sollte demensprechend sorgfältig behandelt werden. Bei der Auswahl sollte auf folgendes geachtet werden.
Das Brutei sollte, was die Größe angeht, etwa dem Durschnitt entsprechen. Zu große Eier erschweren den Schlupf. Die Eischale darf nicht zu großporig sein, dies führt zu einer verstärkten Verdunstung der Eiflüssigkeit, was zur Folge hat, dass die Konzentration der Minaralsalze im Ei übermäßig hoch sind. Auch rauh- oder dünnschalige sowie rissige Eier sind von der Brut auszuschließen. Blutflecken im Ei sind ebenfalls abträglich für eine erfolgreiche Brut. Kalkablagerungen oder Wülste auf der Schale kann das Küken oftmals beim Schlupf nicht sprengen, auch diese Eier sollten nicht verwendet werden. Die Eier sollten nicht älter als 14 Tage sein, da dann die Schlupfrate rapide absinkt. Und natürlich sollten nur saubere Eier verwendet werden.
Bruteier werden täglich mehrmals den Nestern entnommen und bei einer Temperatur von 8 bis 12 Grad, max. jedoch bei 15 Grad gelagert. Eine Temperatur unter +5 Grad schadet dem Keim. Hühnereier werden in der Regel mit der Spitze nach unten gelagert, Gänseeier auf der Seite liegend. Werden die Eier länger als eine Woche gelagert, sollten sie täglich um 180 Grad gewendet werden, damit der im Dotter liegende Keim immer wieder mit Nährstoffen in Berührung kommt.
Eier, die man sich hat schicken lassen, müssen vor Einlage in den Brutapparat 24 Stunden ruhen. Am 7. Bruttag werden die Eier durchleuchtet (geschiert), um nicht befruchtete und abgestorbene Eier auszusortieren. Ein zweites Schieren erfolgt am 18. Tag.